Cannabis ist keine Wunderdroge

Parkinson und Cannabis

von Dieter Volc

 

Nach meiner Erfahrung ist das lästigste Symptom das Zittern (Tremor), bei dem Hoffnung auf Verbesserung mit Cannabis erwartet wird. Das liegt sicher auch daran, dass unsere herkömmlichen Medikamente gegen Tremor wenig wirksam sind und die Anticholinergika sehr häufig Gedächtnisstörungen hervorrufen.

 

Ein weiteres sehr störendes Symptom sind die Levodopa-induzierten Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen). Ich glaube, der Grund dafür ist die virale Verbreitung von Videos von Patienten mit Parkinson und schweren Dyskinesien, die eine signifikante Verbesserung nach Verwendung der ölförmigen Form von CBD zeigen. Diese (im Wesentlichen von zwei CBD verkaufenden Stellen produzierten) Videos zeigen einen erstaunlichen Effekt. Da diese Dyskinesien typische Nebenwirkungen einer zu hohen Einzeldosis von Levodopa sind reicht aber auch eine Reduktion der Medikation aus um sie zu beherrschen.

 

Häufige Fluktuationen (Motorschwankungen) sind eine weitere Ursache. Die sind aber unvorhersehbar und kontrollierte Studien dazu gibt es bislang nicht.

 

Die beiden am häufigsten verwendeten Verbindungen sind CBD (Cannabinoid) und weniger THC (Tetrahydrocannabinol). THC mit seinen psychoaffektiven Wirkungen kontrolliert die Symptome in der Regel nicht durch direkte motorische Kontrolle, sondern durch "eine beruhigende oder psychologische Wirkung". THC fällt unter das Suchtgiftgesetz.

 

Die meisten Studien basieren auf der Verwendung von CBD und in Dosen bis zu 300 mg pro Tag, ohne THC zu verwenden. Keine kontrollierte Studie konnte bislang einen Beweis der Wirksamkeit mit vorhersagbaren Ergebnissen erbringen.

 

Ich betone gegenüber den Patienten, dass die Rolle von Cannabis für Parkinson noch nicht endgültig geklärt ist. Es laufen viele Untersuchungen an renommierten Kliniken, aber trotz der mindestens 15 Jahre dieser Forschungen ist es nicht gelungen einen systematischen Nachweis einer Wirkung zu erzielen.

 

Es ist auch wichtig, denjenigen, die eine CBD-Verwendung auf freiwilliger Basis probieren, die Notwendigkeit klarzumachen, ein seriöses und zuverlässiges Unternehmen oder einen Händler zu finden, der garantieren kann, was der Inhalt eines Produktes ist.

Esswaren, Kautabletten, Hautöl-Lotionen und Verdampfer sind nicht für eine zuverlässige Bereitstellung der chemischen Verbindung geeignet, und noch wichtiger ist, welche Verbindung und Dosis tatsächlich bereitgestellt wird. Die meisten Anbieter oder Vertreiber können in der Lage sein, die aktiven Chemikalien aus dem Marihuanablatt zu isolieren; die Menge dieser Elemente kann jedoch sehr unterschiedlich sein, und es gibt keine Regelung durch eine unabhängige Agentur über die Qualität der Produkte wie bei einem kontrolliert hergestellten Arzneimittel. Mich persönlich mutet es seltsam an, dass diese CBD-Vertreiber allerorten wie die Schwammerl aus dem Boden schießen.

 

Einige Apotheken bieten Kombinationen von CBD mit THC an, mit CBD in höheren Konzentrationen als THC. Hier kann man noch davon ausgehen, dass die Inhaltsstoffe auch in der angegebenen Menge enthalten sind.

 

Zusammengefasst also

  • Behauptete Wirkungen, belegt durch Videos, die im IT verbreitet werden
  • Keine nachgewiesene Wirkung von CBD auf Akinese/Rigor/Tremor
  • Vermutete Wirkung von CBD auf Levopa-Überdosierungen
  • Unerfüllte Hoffnung auf „Heilung“
  • Unsichere Rechtslage bei THC
  • Unsichere Inhaltsstoffe bei Kauf in Straßengeschäften
  • Sehr gutes Geschäft mit social media gesteuerter Kundschaft